Musik Akademie Basel
JAZZCAMPUS
Fachhochschule Nordwestschweiz - Hochschule für Musik

Konzerte

Pierre Favre Solo

Poetry in Motion

So 15.01.2017 | Jazzcampus Club | 19:00

Pierre Favre, drums, percussion

„Schlagzeug“ sei eines dieser schrecklichen deutschen Wörter (wie „Schmetterling“'), die etwas ganz Fragiles ganz martialisch erscheinen liessen, schreibt Peter Rüedi im Zusammenhang mit dem Perkussionspoeten Pierre Favre, der im Juni achtzig wird. Tatsächlich singt der Meister der rhythmischen Töne, Farben und Nuancen mit seinen Trommeln, Becken, Gongs, Glocken, Sticks und Besen weit mehr als er schlägt. "Singing Drums" heisst auch ein ECM-Album von 1984 zusammen mit Paul Motian, Fredy Studer und Naná Vasconselos. Bevor er anderntags im Jazzcampus einen von Christian Dierstein organisierten Workshop gibt, ist Pierre Favre im Solokonzert zu erleben.

Begonnen hat er als Fünfzehnjähriger autodidaktisch in der Tanzband seines Bruders. Später erst kamen die Noten, er spielte im Basler Radio-Orchester, wechselte nach München zu jenem Max Gregers, das auch mit Louis Armstrong auftrat (Youtube). Dann begleitete Favre Grössen wie Chet Baker auf Europatournee. Für ECM nahm er Platten etwa mit dem Hilliard Ensemble und Jan Garbarek, Charlie Haden, Dino Saluzzi, Tamia, Kenny Wheeler, Steve Swallow oder John Surman auf. Er arbeitete für Paiste in der Entwicklung von Becken und gab weltweit Clinics, spielte im europäischen Freejazz seine eigene Rolle – auch hier nicht als brachialer Schlagwerker. Pierre Favre entwickelte mehr und mehr sein eigenes Klangspektrum, erweiterte seine Perkussion um Instrumente unterschiedlichster Provenienz. Gleichzeitig wurden ihm auch das Melodiöse, Subtile, Atem, Schweigen und Dramaturgie in seiner Musik wichtiger, das Poetische immer zentraler. Das hängt wohl auch mit seinem Verständnis für die Weltsprache der Trommel zusammen. Drei TV-Filme zeigen ihn in der Zusammenarbeit mit brasilianischen, indischen und äthiopischen Trommlern, und Pio Corradi, bedeutendster Schweizer Kameramann, drehte eine wunderbaren Film über ihn. Zudem wird auf Pierre Favres Geburtstag hin eine neue Produktion von Schweizer Fernsehen SRF folgen.

Ohne dass die Improvisation je an Gewicht verloren hätte, nahm auch Favres kompositorische Arbeit zu und blieb nicht auf den Jazz beschränkt. Es entstanden Werke in den Bereich zeitgenössischer E-Musik und Tanz, er trat mit Dichtern auf – und seit Ende der 1960er-Jahre gibt er auch Solokonzerte. Seine Alben erscheinen heute auf Intakt, die umfangreiche Diskografie reicht vom Solo- über Duo- bis zum grossen Format. Auch zwei Alben mit dem Basler ARTE Quartett sind dabei: „Pierre Favre with Arte Quartett & Michel Godard“ sowie „Pierre Favre Ensemble – Le Voyage“. Auch seine Lehrtätigkeit blieb nicht auf den Jazz beschränkt, er wirkte an den klassischen Hochschulen Luzerns und Stuttgarts und gab an der Basler Musik-Akademie Workshops. Statt von Unterricht spricht er – typisch Pierre Favre – aber lieber davon, mit den Jungen ganz einfach zu spielen und erklärt, wie ihn das selbst auch heute immer noch weiterbringe. "Es ist fantastisch mit Leuten zu arbeiten, die mit Engagement etwas probieren, die experimentieren und ihre Fähigkeiten steigern wollen und nicht alle Energien darauf verwenden, ihre Position zu festigen."

Baröffnung: 18:00 Uhr

Eintritt: 25 CHF / 18 CHF (ermässigt)